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Peter Hammill solo IV

Die Rheinpfalz, February 1998

Peter Hammill, Saarbrücken, 03.02.98

Bisweilen hält die Welt der populären Musik noch die ein oder andere Nische parat, für Verschrobene, Eigensinnige und Widerborstige. Peter Hammill, englischer Komponist, Multi-Intrumentalist und Extrem-Sänger, hat sich in einer solchen Nische eingerichtet. Am Dienstag versammelte er in der Saarbrücker Garage eine treue Gefolgschaft zu einem seiner raren Konzerte.

Zugegeben, bei Peter Hammill von einem populären Künstler zu sprechen, trifft die Sache nicht recht. Ende der sechziger Jahre Mitbegründer der Kulturrock-Band Van der Graaf Generator", Komponist und Performer in zahllosen Platten- und Konzertprojekten, Ideengeber des Punk, hat er jenen Zugang zu einem Massenpublikum verfehlt, der leichtgewichtigeren Vertretern des Genres wie Yes, Genesis oder selbst Peter Gabriel vergönnt war. Seine Kompositionen zwischen existentialistischem Pathos, Free-Jazz- und Hector-Berlioz-Einflüssen, zwischen kammermusikalischer Intimität und Hard-Rock-Ausbrüchen, waren stets gegen den populären Strich gebürstet. Seine Musik eignet sich nicht als Hintergrund-Beschallung, seine Rhythmen - mit ihren Takt- und Tempo-Wechseln und den häufig ungeraden Taktarten - sind nicht tanzbar.

Gleichwohl rekrutiert sich sein Publikum aus dem Kreis jener Rock-Rezipienten, die noch miterlebt haben, daß Rockmusik nicht nur auf Blues und Folk basieren muß. Freilich hat sich Peter Hammill, heute 50jährig, längst gänzlich von den Beschränkungen der Rockmusik emanzipiert.Seine Kompositionen repräsentieren das zeitgenössische Kunstlied, das sonst nur noch in hermetischen akademischen Zirkeln einen Platz finden mag.

Es ist aber gerade die kompositorische Qualität seiner Lieder, die sie nicht von einem einmal gespielten oder auf Tonträger dokumentierten Arrangement abhängig machen. So gelingt es ihm, wie beim Konzert am Dienstag, immer wieder, auch sperrigste Arbeiten aus den siebziger Jahren auf eine Minimalbesetzung von jeweils Keyboard, Akustik- und E-Gitarre gepaart mit der Violine von Stuart Gordon, der ihm seit 1982 immer mal wieder als Gast-Musiker zur Verfügung steht, zu reduzieren. Und dies, ohne auch nur ein Quentchen des Gehalts zu opfern. In Saarbrücken präsentierte Hammill Arbeiten, die zeitlich zurückreichen bis 1973 (Easy To Ship Away von Chameleon In The Shadow Of The Night) über Van der Graaf-Arbeiten der Quiet-Zone/Pleasure Dome-Zeit (1977, The Last Frame, von Hammill übrigens als "kleine, schmutzige Drei-Akkord-Wunder bezeichnet") bis hin zum elegischen Nothing Comes von seiner jüngsten Veröffentlichung Everyone You Hold. Das erstaunliche an der Song-Zusammenstellung des Konzertes bleibt, daß all' diese Stücke in keiner Weise "altmodisch" wirken; im Gegenteil, sie entfalten eine zeitlose Kraft, die jeden Gedanken an Nostalgie verblassen läßt. Einst stilistisch durchaus verwandte Gruppen wie Genesis oder Yes sind mit ihren Frühwerken heute beinahe nur unter Erinnerungsaspekten noch angemessen zu würdigen.

Als Instrumentalist eher solide denn virtuos, weiß Hammill um die charismatische Kraft seiner Stimme, die vom gutturalen Baßgrummeln bis zum wispernden Falsett scheinbar mühelos alle Klang- und Dynamik-Register ziehen kann. Robert Fripp hat von Hammill sinngemäß gesagt, er habe für den Gesang in der Rockmusik getan, was Hendrix für die Gitarre gelungen sei. Bei Hammill paart sich Delikatesse mit brutaler Kraft, gelingt die Balance von verträumter Verspieltheit und pathetischen Rockrhythmus, ohne daß er Baß oder gar Schlagzeug hinzunehmen müßte. Stuart Gordons Violine würzt mal mit Legato-Schönklang, mal mit kratzbürstigen Stakkatos. Performer von der Qualität eines Peter Hammill sind heutzutage leider selten geworden.

Derzeit befindet sich Hammill auf Europa-Tournee, zu der bislang folgende Daten im Februar bekannt sind: 5. 2. Karlsruhe, 8.2 Wien, 9.2. Salzburg, 10.2. Mailand, 12.2. Florenz oder Modena und 13.2. Rom. Wer sich für Hammill interessiert, findet unter der Internet-Adresse http://www.fuzzlogic.com/vdgg/ aufschlußreiche Fakten.

A collection of pictures from the concert

© 1998 Fred G. Schütz - Die Rheinpfalz

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